Wissenswertes über Okularauszüge

Grundsätzlich muss man wissen, dass nahezu alle auf dem Markt angebotenen Okularauszüge aus fernost stammen. Eine Ausnahme sind die Okularauszüge von Starlight Feathertouch und Kineoptics, sowie Moonlite. Diese kommen, wie auch der bei PlaneWave verbaute Hedrick Okularauszug aus den USA. In Deutschland fertigt nur Baader selbst Okularauszüge.

Den Überblick zu bekommen ist nicht einfach. Es gibt durchaus gute und günstige Okularauszüge aus Asien. Nach unserer Erfahrung ist aber die Serienstreuung problematisch. Meist lässt auch der Support der Hersteller sehr zu wünschen übrig, wenn er denn überhaupt existiert. Wir hatten hier bereits asiatische Auszüge, bei denen innerhalb einer Charge extreme Ungenauigkeiten aufgetreten sind. Das geht bei taumelnden Knöpfen, über verbogene Wellen bis hin zu 2" Anschlüssen, in denen das 2" Zubehör herumschlackert. Leider sind wir auch von einem amerikanischen Hersteller extrem enttäuscht. Von fünf Okularauszügen waren vier absolut unbrauchbar. Der Knaller war ein 2" Auszug, in den kein einziges 2" Okular passte.

Rack and Pinion

In den letzten Jahren haben sich vor allem in der Astrofotografie Rack and Pinion Auszüge weit verbreitet. Rack and Pinion bedeutet Zahn und Trieb. Sehr viele dieser Auszüge stammen von einem bestimmten asiatischen Hersteller. Nahezu alle Anbieter kaufen dort unter ihrem Label zu.

  • Vorteil, günstig in der Herstellung. Größere Toleranzen als bei einem hochwertigen Crayford
  • Vorteil, der Antrieb kann nicht durchrutschen
  • Nachteil, Zahn und Trieb müssen sehr sauber gearbeitet sein
  • Umkehrspiel des Zahn und Trieb muss sehr exakt eingestellt sein
  • Häufig sind Zahn und Trieb gefettet. Hier setzt sich gerne Schmutz an.

Crayford

Crayford Auszüge haben zu unrecht einen schlechten Ruf. Schuld daran sind unzählige Billigklone aus Fernost. Fakt ist, ein gut gebauter Crayford Auszug, wie er zum Beispiel von Starlight Feathertouch und Baader angeboten wird, rutscht auch unter extremer Belastung nicht durch.

  • Vorteil, butterweiches Gefühl beim Scharfstellen
  • Vorteil, kein mechanisches Umkehrspiel
  • Nachteil, alle Teile müssen extrem genau gearbeitet sein.
  • Nachteil, schlechter Ruf, vor allem durch schlechte aber günstige Nachbauten

Kugellager

Wir würden einem Kunden immer zu einem Auszug mit Kugellagern raten. Die Kraftübertragung ist super. Vorrausgesetzt die Lagersitze und Laufflächen sind wirklich exakt gearbeitet.

  • Vorteil, hohe Traglasten. Wenn gut gebaut ohne Verkippung
  • Vorteil, nahezu kein Verschleiß
  • Nachteil, Aufwändig
  • Nachteil, hoher Fertigungsanspruch
  • Hoher Preis

Gleitlager

Es gibt erstaunlich gute gleitgelagerte Okularauszüge auf dem Markt. Man muss sich aber darüber im klaren sein, dass diese Okularauszüge meist im günstigen Sektor angesiedelt sind.

  • Vorteil, günstig in der Herstellung
  • Günstig in der Anschaffung
  • Nachteil, Verschleiß ist vorprogrammiert
  • Nachteil, viele dieser Auszüge können nicht zufriedenstellend eingestellt werden

Thema Laufflächen der Lager

Ein extremer High End Okularauszug wird fast immer Laufflächen aus Edelstahl haben. Auf diesen Laufflächen laufen die Kugellager und Antriebswellen für sehr lange Zeit wie Butter. Verschleiß ist hier fast nicht erkennbar. Man darf aber nicht alle Okularauszüge als schlecht bewerten, wenn sie keine Edelstahllaufflächen haben. Einige Hersteller realisieren die Laufflächen in Form einer harteloxierten Schicht. Auch diese technische Version funktioniert über Jahre problemlos. Wie immer in der Mechanik, kommt es also auf die richtigen Materialien und das nötige Fachwissen an.

Justage von Okularauszügen

Viele, aber nicht alle Okularauszüge können eingestellt werden. Dabei gibt es unterschiedliche Konstruktionen. Leider liegen den Auszügen meist keine Erklärungen bei, was wo eingestellt wird. Wichtig, wenn Sie an einem Okularauszug Einstellungsarbeiten vornehmen möchten, stellen Sie vorher sicher die Funktion der jeweiligen Stellschraube verstanden zu haben. Bei Rack and Pinion und Crayfordauszügen gilt, bitte beide Enden der Antriebswelle gleich einstellen. Bitte nicht zu viel Vorspannung einstellen! Achten Sie bei Crayfordauszügen darauf, welches Druckbild die Welle auf der Lauffläche erzeugt. Richtig eingestellt sollte das Druckbild links und rechts gleich aussehen. Einige Kunden neigen dazu, die Wellen von Rack and Pinion Auszügen zu überspannen. Das kann zum Bruch der Welle führen.

Ranking

Hier ein Ranking der wichtigsten Hersteller. Je besser, desto weiter oben. Wir ordnen einzig nach der Qualität und der Erfahrung aus unserer Werkstatt. Es kann natürlich sein, dass Sie ein extrem gutes Exemplar eines hier niedrig bewerteten Auszuges haben. So lange Sie damit glücklich sind, ist alles gut. Die Liste spiegelt nur unsren Eindruck und erhebt keinen Anspruch auf Richtigkeit. Wir beraten grundsätzlich markenunabhängig!

Rack and Pinion und Crayford

  1. Starlight FeatherTouch. Für uns die mit weitem Abstand besten Okularauszüge. Absolute Perfektion, egal ob bei den Rack and Pinion oder bei den Crayford Versionen. Unsere absolute Empfehlung!
  2. Baader Steeltrack. Sehr guter Crayford-Okularauszug, der extrem viel (8kg) Zuladung verträgt. Antreibswelle durch Diamantbeschichtung extrem rutschsicher. Langer (4cm) Fokusweg, starke Kugellager. Tolles Zubehörsortiment mit Direktverschraubungen und hochwertigen Klemmen. Keine Serienstreuung festgestellt. Absolutes Alleinstellungsmerkmal! Der Baader Steeltrack Okularauszug ist der einzig uns bekannte Okularauszug, bei dem sich das Auszugsrohr horizontal und vertikal justieren lässt. Das ermöglicht eine absolut genaue Ausrichtung des Auszuges zur realen optischen Achse. Top in Preis und Leistung! Sehr guter Support!
  3. Lacerta Okto Plus. Sehr guter Rack and Pinion Okularauszug. Veträgt viel (keine Angabe) Zuladung. Leider extrem kurzer (nur 2cm) Fokusweg. Leichte Serienstreuung festgestellt. Guter Support!
  4. V-Power Okularauszug. Guter Crayford-Okularauszug. Verträgt einiges (ca.4kg) an Zuladung. Leider extreme Serienstreuung. Hersteller in Taiwan nicht immer erreichbar. Taumelnde Drehknöpfe, verbogene Wellen. Teils unbrauchbare Exemplare.
  5. Moonlite Okularauszug. Trotz hohen Ansehens vor allem wegen des tollen Designs leider extrem viele Probleme. Unrunde Tauchrohre, gebrochene Kugellager und so weiter. Wir bieten Moonlite daher nicht mehr an. Preis und Leistung passen nach unserer Ansicht nicht zusammen.
  6. Alle anderen Okularauszüge nach Rack and Pinion oder Crayford. Es sind massenhaft günstige Klone beider Bauweisen unterwegs. Problematisch ist die große Serienstreuung. Von unbrauchbar bis wirklich überraschend gut ist alles möglich.

Einstellmöglichkeiten des Baader Diamond Steeltrack

Als einziger Okularauszug auf dem Markt hat der Baader-Diamond-Steeltrack eine Möglichkeit zur 100%igen Justage der Bildfeldebene. Zudem kann die Untersetzung für Links- und Rechtsbedienung umgebaut werden.

Warum ist das nötig und wichtig?

Optische Tuben, egal ob aus Blech oder Karbon sind nie zu 100% rund. Dabei gibt es Abweichungen in Längs- und Querrichtung. Im Idealfall würde ein Laserstrahl eines 100%igen Lasers genau mittig und genau 90° durch den Tubus gehen. Wäre der Fangspiegel mit Offset 100% exakt in Höhe und Rotation ausgerichtet, hätte man die ideale maximal mögliche Bildfeldausleuchtung und keinerlei Verkippung der Bildebene.

In der Praxis weichen alle Tuben vom Ideal ab. Manche mehr, manche weniger. Gerade die im high-end-Sektor bekannten Kohlefastertuben sind oft alles andere als 100% rund und glatt. Oft sind diese tuben unrund und wellig.

Hat ein Okularauszug keine Möglichkeit das auszugleichen, würde eine angeschlossene Kamera dezentriert auf den Fangspiegel schauen. Natürlich lässt sich so ein schiefes System mit einem Laser kollimieren. Sie werden aber immer Probleme mit einer unsauberen Bildfeldausleuchtung und eventuell verzogenen Sternen haben.

Die Lösung

Es gibt genau zwei mögliche Lösungen. Ein Okularauszug, der keine Einstellmöglichkeit besitzt, kann nur an der Basis unterfüttert werden. Es werden also Blechstreifen oder Beilagscheiben untergelegt. Sieht unschön aus, funktioniert aber.

Im Idealfall besitzt der Okularauszug Einstellmöglichkeiten in horizontaler und vertikaler Richtung. Zudem Langlöcher um den Okularauszug verschieben zu können. Nur so, lässt sich die Bildfeldebene zu nahezu 100% zum Fangspiegel einstellen.

Eine einfache Dreipuntverstellung am Okularauszug funktioniert hier übrigens nicht!

Wie wurde das bisher gemacht?

Bisher hat man den Kunden bei Problemen mit schlechter Bildfeldausrichtung und Verkippung zu Tilteinrichtungen geraten. Oft wurden dabei verkippte Kamerachips als Ursache angegeben. Warum viel Geld in den Knick eines Imagetrains stecken, wenn man den Knick von Grund auf beseitigen kann?

Tilteinrichtungen zum Ausgleich eines wirklich verkippten Kamerachips machen natürlich Sinn. Aber nach meiner Ansicht nur dann, wenn dieses Problem auch wirklich vorliegt. Falls das so ist, sollte möglichst auch nur die Kamera getiltet werden. Die Bildfeldausrichtung, die Bildfeldlage und die Justage sollten von Grund auf immer möglichst genau stimmen. Nur dann haben Sie eine reelle Chance, dass ein Astrograph bereits out of the box nahezu perfekt abbildet.

Helikale Auszüge

  1. Kineoptics HC 2 und HC 1. Die besten uns bekannten Helikalauszüge. Superleicht und butterweich beim Fokussieren. Alle anderen uns bekannten Helikalauszüge sind qualitativ nicht ansatzweise vergleichbar.
  2. Alle anderen Helikalauszüge aus fernöstlicher Produktion sind meist mehr schlecht als recht. Austretendes Fett, unrunder Lauf. Wir verkaufen diese nur sehr ungern. Solche Auszüge machen nach unserer Ansicht nur für günstige Selbstbauten Sinn.

Bei Fragen rund um das Thema Okularasuzüge helfen wir Ihnen sehr gerne!